Donnerstag, 17. November 2016

Tarnen und Täuschen - Teil II


Tarnung wurde erst mit der zunehmenden Rolle von Luftaufklärung durch Ballons und die ersten Flugzeuge von Militärs behandelt, da diese neuen Technologien einem Gegner bei Früherkennung eigener Kräfte nicht nur Vorwarnung gaben, sondern er auch seine eigene Artillerie auf diese Einschießen konnte. Mit der zunehmenden Verbreitung kommerzieller Drohnen wird Luftbildaufklärung für quasi Jedermann möglich und Kameraaufnahmen mit GoPro Kameras in 1080p Auflösung, eventuell noch kombiniert mit Nachtsicht oder Wärmebild mit einer 640×512 Auflösung, sind für den Zivilisten eine verfügbare Technologie die besser ist als alles was Militärs die längste Zeit verwendet haben.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=130&v=Z625R9eljIc
Inspire I(l.) and Matrice M100(r.) Drohnen ausgestattet mit Zenmuse XT FLIR Wärmebildkameras

Aufnahmen einer Aufklärungsdrohne

Das heißt, dass auch für kleinere Konflikte und Akteure Tarnung wichtiger wird, auch wenn keine Seite einen Luftraum kontrollieren kann.


Tarnung von Fahrzeugen
Fahrzeuge sollten erst für den Konfliktfall vorbereitet werden wenn dieser auch wirklich eingetreten ist. Es wäre nicht ratsam vorher sein eigenes Zivilfahrzeug in Tarnfarben zu lakieren und darüber zu fantasieren, dass man dann damit irgendwie den Bug-out macht und die Leute nicht darauf aufmerksam werden würden, wenn ein militärisch aussehendes Fahrzeug versucht wegzukommen, die eventuell unerwünschte Aufmerksamkeit der Ordnungskräften bspw. an Kontrollpunkten kommt noch hinzu. Vieleher sollte alles dafür nötige vorher zurecht gelegt werden, damit man damit Fahrzeuge bearbeiten kann die für spezielle Zwecke ausgesucht wurden.


- Lackierung und Textur
Der Paint Job an einem Fahrzeug ist weniger wichtig als die Textur.

Lackfarben oder Fahrzeugfolien bilden, auch wenn es sich dabei um Matttöne handelt, eine glatte Textur die Licht reflektiert und sich von der Umgebung abhebt.
Texturverändernde Methoden wären bspw. Lackfarben nicht mit der Spraydose, sondern mit dem Pinsel aufzutragen, wobei der Farbe vorher Sand beigemischt werden kann, das Fahrzeug mit Lehmerde zu beschmieren, oder Tarnmaterialien direkt mit Leim aufzukleben.

In Syrien und dem Irak wird Schlamm zur Fahrzeugtarnung direkt aufgetragen

Im Notfall kann man Leim gewinnen indem man verschiedens Grünzeug auskocht und damit dann entweder natürliches Pflanzenmaterial oder künstliches Tarnmaterial aufträgt. Das man aus Grünzeug Klebstoff gewinnen kann scheint auch die einzig brauchbare Lektion zu sein die man aus Fallout 4 mitnehmen kann. Außerdem steht das im Field Manual 5-20B auf Seite 36. Ein Fahrzeug welches mit texturverändernden Beschichtungen behandelt wurde kann noch zusätzlich mit entsprechenden Farbtönen übersprüht werden.


- Reflektion
Die Reflektionen von Windschutzscheibe und Scheinwerfern kann alle anderen Tarnmaßnahmen zunichte machen. Also werden diese entweder gleich übermalt und behandelt wie zuvor beschrieben, oder mit Planen abgedeckt.


- Tarnnetze
Wenn man ein Fahrzeug oder schwere Waffen vor der Luftaufklärung verstecken will eignen sich dafür Tarnnetze. Entweder man beschafft diese auf dem Markt oder fertigt sie selbst an.

Tarnnetze die nach den Lieferbedingungen von Militärs produziert wurden sind in der Regel gegen Restlichtverstärker und Wärmebilderkennung behandelt.

Hier links ein Fahrzeug unter dem Tarnnetz, rechts dagegen ohne Tarnnetz mit deutlich erkennbarem Wärmeprofil.

Selbstgemachte Tarnnetze kann man mit allen Möglichen Netzen, Packnetze oder Fischereinetze, und Stofffetzen machen. Populär ist dabei die Anordnung im Mäandermuster, wie auf dem Bild dargestellt, auch wenn der Macher in dem Beispiel rechts versucht hat mit möglichst wenig Material möglichst viel Fläche abzudecken, was wiederum zu wenig sein kann. Derartige Tarnnetze findet man auf dem Surplus Markt von ehemaligen Warschauer Pakt Armeen.


Ein Fahrzeug kann auch wenn es in Bewegung ist in Tarnnetz gehüllt werden, wenn man dieses entsprechend an dem Fahrzeug anbringt, wobei gerade große Flächen wie Motorhaube und Kabinendach durch Tarnnetzbespannung gut verschleiert werden können.


Helme
Nach allen Methoden wie man Fahrzeuge behandelt kann man auch Gefechtshelme behandeln. Diese bilden unter Fahrzeugen und schweren Waffenplattformen die größte Fläche die sich von der Umgebung abheben kann und werden daher seit ihrer Einführung immer derartig bearbeitet und bilden dabei oft besondere Charakteristiken, vom Buntfarbentarnanstrich deutscher Helme im Ersten Weltkrieg bis zu den amerikanischen und mit Graffiti beschmierten Mitchell Camo Tarnbezügen in Vietnam.

Türkische Soldaten ohne Helmtarnung: Lichtreflektion

PASGT Helm mit rauer Oberfläche für eine unebene Textur

Die meisten Gefechtshelme sind nicht mit einer unebenen Textur vorbehandelt und ihre glatte Plastikoberfläche reflektiert Licht, da man davon ausgeht Militärs verwenden ohnehin Helmbezüge und für einen semi-zivilen Einsatz wie bspw. bei Polizeieinheiten spielt soetwas eine untergeordnete Rolle, weshalb man sich diesen Arbeitsschritt meistens spart.




Siehe auch:
Field Manual 5-20B: Camouflage of Vehicles
Tarnen und Täuschen Teil 1
Fahrzeuge für Krisenzeiten



Kommentare:

  1. Elektrofahrzeuge haben zwar (zu unrecht!) ein Pussy Image, hinterlassen jedoch keine Wärmesignatur und sind lautlos.
    Die ersten US Police Departements haben dies erkannt und rüsten auf Elektro Motorräder um.

    https://adacemobility.wordpress.com/2013/02/19/e-bikes-fur-us-cops-zero-police/

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    1. Die Army experimentiert mit hybrid-electric Fahrzeugen, die Technik ist noch nicht Konflikterprobt und auf dem Zivilmarkt gibts noch nichts derartiges.

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    2. Problematisch ist die Energiedichte. Wenn Lithiumakkus penetriert werden, dann brennt es halt, aber richtig!

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