Montag, 16. Januar 2017

Bürgerwehren Teil II

Was man macht und besser bleiben lässt


Nach den Ereignissen von Köln am Silvesterabend auf das Jahr 2016 gab es in Deutschland viele Projekte, bei denen besorgte Bürger angefangen haben Nachbarschaftswachen und Bürgerwehren zu gründen. Diese Projekte sind in ihrer überwiegenden Zahl allerdings therapeutischer Blödsinn, haben mit der Idee nichts zu tun und stellen lediglich Beschäftigungstherapie der Beteiligten da, während sie strategisch absolut keinen Unterschied machen.


Örtlichkeit
Einige "Bürgerschutz" Organisationen bietet sich eben nur als Therapiegruppe an und haben eigentlich keinerlei Bezug zum Bürger oder irgendeiner Nachbarschaft. Das führt dazu, dass diese Organisationen für Sicherheit in Bereichen sorgen wollen, die sie nicht kennen. Eine Nachbarschaftswache die in anderer Leute Nachbarschaft Streife laufen will kennt diese Nachbarschaft und die dortigen Bewohner überhaupt nicht, weiß nicht welches Sozialkapital dort existiert und verlässt dabei noch das eigene Umfeld.
Das Problem hierbei ist, dass solche "Bürgerschutz" Organisationen sich aus Leuten zusammensetzen, die oft einen Hintergrund in der Security-Branche haben, gelegentlich beim Militär und in seltenen Fällen bei der Polizei, wobei sich diese Leute nicht bewusst sind, dass sie selbst destruktives Potential darstellen und von der Gesellschaft nur toleriert werden, weil anderes destruktives Potential existiert welches diese kontern sollen. Begibt sich eine solche Bürgerschutz Gruppe in fremde Nachbarschaften, über die sie auch keine ausreichenden Informationen besitzt, dann stellt sie dort das destruktive Potential da und wird nicht toleriert werden.


Defensive
Das Patrouillieren und Suchen nach einem Gegner der sich aussuchen kann wann und wo er sein Unrecht begeht, der damit die Initiative hält ist immer ein extrem zeit- und ressourcenaufwendiges unterfangen, worauf meistens eben keine Resultate folgen, im schlimmsten Fall sich sogar der Gegner aussuchen kann einen Hinterhalt zu legen. Im schlimmsten Fall erzeugen solche Bürgerschutzgruppen die an Plätzen herumspazieren die bei organisierter Kriminalität beliebt sind, dass diese organisierte Kriminalität sich dieser unannehmlichkeit entledigen möchte und dann Überfallaktionen durchführt. In dem Fall hat man Möchtegern-Vigilanten die auf fremden Territorium von einem unbekannten Gegner überfallen werden, welcher nicht von Gesetzen reguliert und zurückgehalten wird.


Verhältnismäßigkeit der Legalität
Was würde eine solche Bürgerschutzgruppe genau tun, wenn sie tatsächlich mal auf den fiesen Schurken trifft gegen die sie sich alle erwehren wollen? Ist man darüber informiert was man überhaupt darf? Weiß ich auf fremden Territorium überhaupt wer Freund und Feind ist? Habe ich ein Protokoll für das Vorgehen in einer Festnahme, welcher ein Bürger vornehmen darf?
Meiner Einschätzung nach sind die Möglichkeiten zu wenig und die Rechtslage hier einfach zu dünn um Zeit dafür zu opfern den Bürgerschützer zu spielen. Dieses Vorgehen, was allerdings landesweit von einer Gruppe zur nächsten kopiert wird die dann auch noch auf Facebook sind, ist völlig bedeutungslos und bringt den Beteiligten eventuell noch mehr Schaden als Nutzen.



Nachbarschaftswache
Betonung auf "Nachbarschaft"
Wer tatsächlich besorgt ist um die Sicherheit seiner Stadt, der fängt damit an Sicherheit in seiner Nachbarschaft zu gewährleisten. Versuche von Bürgerschutzgruppen irgendwie in die Innenstadt zu spazieren und dort Präsenz zu zeigen sind leider illusorisch, denn die Stadt war schon immer ein Platz großer Kontraste und eben auch für Pöbel und Schmutz, der dort Aufgrund von Anonymität und der Trennung von sozialem Kapital und Versorgungsstrukturen existieren kann.
Diese Leute, vornehmlich junge bzw. relativ junge Männer gemessen am deutschen Durchschnitt, die sich in Bürgerschutzgruppen organisieren um völlig fremdes Territorium aufzusuchen wären besser damit beraten, sich dahin zu organisieren bestimme Stadtviertel zu gentrifizieren. Entweder um einen weiteren wirtschaftlichen Abstieg einer Gegend zu verhindern, oder um eine Gegend zu übernehmen wo bereits jede Menge Feind anwesend ist, der einen beschäftigt hält.
Wichtig für eine Nachbarschaft in der man das eigene Sicherheitskapital erhöhen möchte ist, dass man die dortigen Anwohner zumindest zu einem Teil kennt und verschiedene Spafehouses bzw. Wohnungen hat die einem Unterschlupf gewährleisten. Auf einem solchen Fundament kann man sehr viel nachhaltigere Strukturen aufbauen als mit "Streife laufen" und so einem therapeutischen Quatsch.


Informationen
Informationen über das eigene Operationsgebiet sind essentiell. Nicht nur zu wissen wer in der eigenen Nachbarschaft wohnt, sondern auch welchen Hintergrund diese Menschen besitzen. Es ist Fakt, dass Nachbarschaften ein geringes Sozialkapital besitzen, wenn die Menschen dort keine Bindung haben an die Gegend, da nur Mieter, und wenn dort Menschen auf Sozialhilfe leben, mit Vorstrafen, auf Bewährung, oder mit Tättoowierungen, welches die drei zuvor genannten Punkte in einem bedeutet.
While imprisonment is likely to be a misfortune for the prisoners’ families, at least it has one positive effect on neighborhood life: It locks up people who otherwise would still be making trouble. The same cannot be said for persons on probation or parole. Some of them are getting their lives in order, but others are not. The size of the probation and parole population in a neighborhood is an indicator of ongoing risk for the rest of the people in the neighborhood. Alongside that direct effect is a cascade of damaging secondary effects on social capital and social trust.
- Coming Apart: The State of White America

Kleinkriminelle mit Vorstrafen und auf Bewährung sollte man entfernen oder durch Zwang und Erpressung in ein Informantennetzwerk rekrutieren. Entfernt werden können sie dadurch, dass man sie zur Verletzung ihrer Bewährungsauflagen provoziert und ähnliches. Kriminalität ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und eine Gesellschaft die sich nicht selbst policen kann, kann nicht frei sein.


Sich gut stellen mit den Cops
Die Polizei behandelt einen ganz anders wenn sie in das eigene Territorium kommt als wie wenn sie einem auf fremden Territorium konfrontiert und das auch weiß. Dazu kann es von großen Nutzen sein, wenn die Nachbarschaft Gespräche mit der Polizei verweigert und sich stattdessen aus den Organisationen LNOs bzw. Verbindungsleute an diese anbieten. Das wird bereits längst so gemacht, auch wenn man von Seite des Staates diesen Umstand noch beschönigt um zu vertuschen, dass der Staat längst die Kontrolle über bestimmte Gebiete und Gesellschaftsschichten die dort leben verloren hat. Die staatlichen Behörden sind längst in einer Krise und der Einsatz von "Bürgerpolizisten" die nach einer läppischen Ausbildung Schusswaffen ausgehändigt bekommen ist noch ein Schritt weit entfernt bis wir private Warlords haben die als Contractor des Staates mit ihren Bucellarii Teilgebiete befrieden sollen über die der Staat keine Gewalt mehr ausüben kann.
Social Engineering dazu umfasst Institutionen die sich im eigenen Aktionsradius finden.


Initiative ergreifen und halten
Gegen einen Abstieg nach der Broken Window Theorie hilft es nicht einfach nur Fensterglas auszuwechseln, sondern es müssen asoziale Elemente in einer Gemeinschaft durch Terror unten, und asoziale Elemente von Außen draußen gehalten werden. Es bringt nichts zu patrolieren auf der Suche nach einzelnen Taschendieben, wenn man herausfinden kann wo diese sich treffen und man alle auf einmal erwischen kann, selbst wenn die Beweislage vor Gericht zu dünn wäre.
Befinde ich mich ständig in der Defensive, provoziere ich damit quasi den Gegner einen überwältigenden Angriff zu planen dessen Zeitpunkt der Durchführung er sich aussuchen kann. Dieses Spiel kann man aber auch andersrum spielen.


Überwachungstechnik
Es ist Privatpersonen eigentlich verboten öffentliche Plätze zu überwachen und Videomaterial welches so entsteht und dabei eine Straftat filmt, kann vor einem deutschen Gericht nicht verwendet werden. Gelegentlich sieht man trotzdem Ladengeschäfte deren Überwachungskamera auf die Straße und nicht das eigene Schaufenster ausgerichtet ist. Dazu existieren längst kleinere Kameras mit einer höheren Framerate als alles was von staatlicher Stelle an öffentlichen Plätzen aufgestellt wurde und längst hoffnungslos veraltet ist.




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1 Kommentar:

  1. Zum Beweisverwertungsverbot bei unerlaubter Videoüberwachung: Kommt drauf an. Gerichte sind in der Würdigung der Beweismittel frei und können - und haben das auch schon - solche Videobeweise gestatten. Es gibt nur keine Garantie, dass ein Gericht das auch immer so machen wird und ein halbwegs gewiefter Anwalt auf der Gegenseite wird garantiert mit allen Mitteln versuchen, eine Verwertung zu verhindern. Siehe auch Thema Dashcam im Auto.

    Trotzdem kann man sich den "chilling effect" zu Nutze machen, der von den Datenschützern so gerne beklagt wird: Wer denkt beobachtet zu werden, verhält sich besser. Egal ob durch Kamera, oder durch aufmerksame Nachbarn.

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