Dienstag, 7. Februar 2017

Killologie: Entmenschlichung des Feindes


Entmenschlichung des Feindes führt zu einer disfunktionalen Gewaltanwendung

Um die Tötungsrate der eigenen Truppen zu erhöhen griff man zu beginn des 20sten Jahrhunderts zu verschiedenen Methoden schwarzer Propaganda, also Gräulpropaganda die den Gegner als animalisch und bestialisch darstellen sollte. Auf die tatsächliche Tötungsrate und die Fähigkeit der Truppen im Kampf hat sich dies zwar kaum ausgewirkt, führte aber zu einer extrem disfunktionalen Gewaltanwendung gegen den Gegner abseits vom Schlachtfeld. Man vergleiche den Umgang der kaiserlich-japanischen Armee mit nicht asiatischen Kriegsgefangenen während des Ersten Weltkriegs und dann während des Zweiten Weltkriegs. Die japanische Armee tötete im Zweiten Weltkreig zwar sieben mal soviele Gegner wie sie eigene Verluste hatte, diese wurden allerdings größtenteils mit Bajonetten und Schaufeln getötet außerhalb regulärer Kampfhandlungen.

This process also works the other way around. It is so much easier to kill someone if they look distinctly different from you.  If your propaganda machine can convince your soldiers that their opponents are not really human but are "inferior forms of life," then their natural resistance to killing their own species will be reduced. Often the enemy's humanity is denied by referring to him as a "gook," "Kraut," or "Nip." In Vietnam this process was assisted by the "body count" mentality, in which we referred to and thought of the enemy as numbers. One Vietnam vet told me  that this permitted him to think that killing the NVA and VC was like "stepping on ants." 
- On Killing

Dem Gegner seine Menschlichkeit und damit quasi seine Motive und Ambitionen abzusprechen führt dazu, dass der Gegner unterschätzt wird und seine Motive unberechenbarer.

European imperial defeat and domination of "the darker races" was facilitated by cultural distance factors.
However, this can be a double-edged sword. Once oppressors begin to think of their victims as not being the same species, then these victims can accept and use that cultural distance to kill and oppress their colonial masters when they finally gain the upper hand. This double-edged sword was turned on the oppressors when colonial nations rose up in fierce insurrections such as the Sepoy Mutiny or the Mau Mau Uprising. In the final battles that overthrew imperialism around the world, the backlash of this double-edged sword was a major factor in empowering local populations.
 - On Killing


Ich reagiere oft allergisch wenn Keyboard Warrior den islamischen Feind herabsetzen wollen auf Sodomieten die Unzucht mit Paarhufern treiben und dabei alle Motive und Methoden entwerten wollen die dazu führen, dass diese Islamisten mehr tatsächliche Kämpfer mustern und Regierungen sabotieren können als eben diese Keyboard Warrior im Westen, die lediglich davon träumen können wie sie die linksgerichteten Regierenden ihrer eigenen Nation zum Galgen führen. Es verleugnet die antreibende Kraft ihrer menschlichen Ambitionen und sabotiert lediglich das eigene Verständnis nicht nur von eben diesen islamischen Akteuren, sondern von Menschen im Allgemeinen.
Die westliche Presse tut ihr übriges dazu indem sie die progressive These verbreitet, dass unsere Motivationen und Moralvorstellungen von universalen Menschenrechten die einzige legitime menschliche Denkweise sind und der Rest der Menschheit, die Mehrzahl der Menschen in der Welt, nach diesen Maßstäben beurteilt werden müssen, was ihnen wenn sie diese Maßstäbe nicht erfüllen oder sich aktiv widersetzen, ihre Motive, Legitimation und Menschlichkeit abspricht und zu einem unbekannten, nicht zu verstehenden Schreckgespenst macht. Deswegen fokussieren sich Publikationen auch überwiegend auf die Aspekte des Feindes die sie zu verstehen glauben und nicht mal aus Propagandagründen verbreitet werden, wie eben Enttäuschungen auf der Gegenseite und Desertation.

Diese Versuche sich den Gegner durch Herabsetzung auf emotionaler Distanz zu halten unterminieren nur die eigene Position. Westler die den Islamischen Staat "Daesh" nennen als wären sie Teil irgendeiner SpecOps Community und voll deren Lingo drauf hätten signalisieren lediglich dass sie den Islamischen Staat nicht verstehen und nach dessen Verschwinden dem nächsten Gegner, der genau so wieder menschliche Ambitionen und Motive verfolgen wird, erneut hilflos und impotent gegenüber stehen.

Ein weiterer Aspekt wie diese Entmenschlichung des Gegners die eigenen Möglichkeiten sabotiert ist, dass man diesen von dem Rest seiner eigenen Gesellschaft entfremden will, indem man diese Trennlinie zwischen dem "Guten Moslem" und dem ISIS Barbaren der in seiner Brutalität gar unfassbar wäre, und der überhaupt nichts mit dem Islam zu tun hat, ziehen will. Beide folgen der selben Ideologie in unterschiedlicher Intensität. Die überwiegende Zahl der Moslems die keine Kombatanten sind fungieren wie hohes Gras in dem sich die Schlangen der Kombatanten verstecken können, sie bieten eine moralische, materielle und personelle Basis für den Feind. Dieses Gras muss gerodet werden, mit Mähdrescher und Flammenwerfer, was nicht geht wenn man unter falschen Vorsätzen einen Gegner aus der Definition Mensch herausnimmt und man seine eigene Anwendung von Gewalt, beschränkt auf den animalischen Feind und legitimiert durch diesen, von den Menschen fernhalten will. Somit akzeptieren wir die Rodung von Gras als Teil der conditio humana und Preis für Stabilität der keine existenzielle Krise auslöst nur weil das Gras wieder wachsen wird.

Are you righteous? Kind? Does your confidence lie in this? Are you loved by all? Know that I was, too. Do you imagine your suffering will be any less because you loved goodness and truth?
- Thin red line

Der Islamist unterscheidet sich nicht großartig von seinen nicht-militanten Nachbarn. Auch der Islamist hat eine Familie die ihn liebt, Träume und Wünsche und ihn zu töten tötet dabei nicht nur was er ist, sondern was er hätte sein können. Wenn man diese Tatsache seiner Menschlichkeit akzeptieren kann, ihn und seine Menschlichkeit zu zerstören, dann ist man in der Lage genau so die Menschlichkeit seiner Nachbarn und Familie zu zerstören und zerstört damit alles wofür er kämpfen kann und keine abstrakte animalische Vorstellung die man sich selbst geschaffen hat und die man selbst nur bekämpfen kann wie Don Quichotte die Windmühlen.



Siehe auch:
Die Reihe Killologie
Gewaltdarstellungen und Mob-Mentalität


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