Sonntag, 25. Juni 2017

Ein besserer Frieden




Als der römische Historiker Tacitus darüber schrieb, dass die Römer aus einem Land eine Wüste machen und dies Frieden nennen, dass sie im Namen von Staat Rauben und Morden, legte er diese Worte dem caledonischen Häuptling Calgacus in den Mund, um ihn als Avatar für seine eigene Anti-Kriegs Haltung der römischen Politik zu nutzen und Kritik zu üben. Calgacus war der letzte Widerstand der Briten gegen die römische Besatzung, der die Stämme im schottischen Hochland zu einer letzten Schlacht gegen den römischen Vormarsch am Ende der Welt zusammenrief. Die Römer besiegten die Caledonier an diesem Tag und Calgacus wurde mit aller wahrscheinlichkeit getötet. Nach der Schlacht machten die Römer allerdings keine Anstalten die verbliebenen Widerständler zu jagen und ganz Britannien zu unterwerfen, sondern sie marschierten zurück in den Süden der Insel woher sie gekommen waren. Calgacus musste noch miteinander streitende Stämme vereinen für seine Stammeskoalition, während die Römer im Süden die Stämme dort pazifiziert hatten und Frieden herrschte. Der Frieden Roms brachte Sicherheit und Wohlstand, während die miteinander streitenden Stammesstrukturen des Nordens weiterhin einen großen Teil ihrer Produktivität darauf verwendeten sich voreinander zu verteidigen und einander anzugreifen. Für die Städte innerhalb des Imperiums war es nicht länger nötig Stadtbefestigungen zu unterhalten, wogegen im Barbarenland praktisch jede Siedlung über Palisaden und Gräben verfügen musste. Große Gesellschaften mit institutionalisierter Gewaltausübung schaffen Frieden. Rom, mit all seiner Räuberei und Brutalität, hatte einen besseren Frieden geschaffen.


Der edle Wilde
White man came across the sea
He brought us pain and misery
He killed our tribes killed our creed
He took our game for his own need
- Iron Maiden, Run to the Hills

Philosophen, Ideologen und unaufrichtige Menschenforscher haben über Jahrhunderte an einem utopistischen Menschenbild gebastelt, nach welchem der Mensch eine von Natur aus friedliche Kreatur sei und gerade westliche Zivilisation ein großes Übel ist, wobei sie natürlich diese Thesen von klimatisierten Büros und Lehrsälen aus verbreiten, errichtet und verteidigt von einer Zivilisation welche sie geringschätzen, und nicht etwa aus einer Stohhütte im Urwald heraus. Von Rousseau bis Margaret Mead sind es diese realitätsfremden Träumer, abgeschirmt durch Wohlstand und Zivilisation von den Konsequenzen ihrer eigenen Rhetorik, welche ein falsches Menschenbild verbreiten und damit utopistische Ideologien befeuern, welche diese unerreichbare Vorstellung umsetzen wollen und dabei nur zerstören was bisher erreicht wurde.
Diese rousseauische Ideologie hatte ihre Renaissance während des kalten Krieges, als Menschen vor dem Szenario der Nuklearen Vernichtung ängstlich zurückwichen, ein Szenario welches ebenfalls durch gut gemeintes Lügen zustande kam, und deshalb in utopistische Träumereien flüchteten es gäbe irgendwo einen Garten Eden wo alle Menschen friedlich sind. Diese Auffassung von Leben, von Geschichte, paarte sich mit der marxistischen Auffassung, dass die Geschichte der Menschheit ein Klassenkampf zwischen dem Unterdrücker und dem Unterdrückten ist, wobei die Zivilisation zum Unterdrücker wurde und der Wilde zum Unterdrückten.

Diese Menschen, unfähig sich der Realität zu stellen, geben dabei jenen Kräften ein Einfallstor, vor welchen sie so zurückschrecken. Dies hat sich nirgendwo deutlicher gezeigt als durch die Entkolonialisierung zur selben Zeit.
Pazifisten im Westen hatten viele Hoffnungen in diese scheinbar neuen, jungen Völker gesetzt, die nun frei sein sollten von westlicher Unterdrückung, nur um entsetzt festzustellen, dass gerade afrikanische Völker in ihre jahrtausendealten Muster zurück fielen.

Als die Belgier im Kongo gelandet sind fanden sie eine Bevölkerung aus Stammesgesellschaften vor die sich gegenseitig auffraßen. Dies nicht etwa aus der Not heraus, sondern weil die Praktik des Kannibalismus fester Bestandteil ihrer Ernährungsstrategie war. Auch heute sieht man in vielen westafrikanischen Konflikten Fälle von Kannibalismus, auch wenn eher in ritualisierter Form. Die Versuche der Belgier dagegen vorzugehen endeten schließlich darin als abschreckende Warnung Hände abzuhacken, was nicht einfach deswegen geschah weil diese lediglich ihre Quoten für Gummi Lieferungen nicht erfüllten. Was aus Sicht eines modernisierten Menschen grausam aussieht und auch oft das schlimmste aller Kolonialverbrechen bezeichnet wird, ist in seiner Funktionalität allerdings so ziemlich das einzige was den Belgiern übrig geblieben ist, abgesehen davon die Kongolesen alle umzubringen, eine Wüste zu machen und dies Frieden zu nennen. Ein massenhaftes Abschlachten der Kongolesen hätte allerdings weniger abschreckendes Potential gehabt für eine Bevölkerung die sich gegenseitig auffrisst. Der Großteil dieser Pazifizierungsmaßnahmen wurde dabei von kongolesischen Angehörigen der Force Publique Polizeitruppen durchgeführt, welche oft als Kinder aus den kannibalischen Stammesgesellschaften gerade im Norden des Kongo herausgenommen und von christlichen Missionaren erzogen wurden, ähnlich wie es die germanischen Hilfstruppen der Römer waren, welche in der Schlacht gegen die Caledonier die Hauptaufgabe der Kämpfe, und Verluste, trugen, um so nach 25 Jahren Dienstzeit römische Bürger zu werden.


Ähnlich verhält es sich mit den Völkern der Karibik, Südamerikas und des Pazifik, wo Eroberung, Vergewaltigung und Kannibalismus die Norm waren, lange bevor die Europäer ankamen.

When Columbus’s fleet dropped anchor off the coast of San Salvador, I wrote, they met members of the Arawak-speaking Taino tribe. Originally from the South American mainland, the Arawaks had invaded the Caribbean Islands about a century earlier, conquering the Siboney people. As was true of most tribal warfare, the invaders killed most of the Siboney men, taking the women and children as slaves. By the time Columbus showed up in 1492, it was the Arawak’s turn to be conquered, not at the hands of the Europeans, but, rather, by another tribe of warlike Indians called the Caribs. The Caribs were capturing one island at a time, killing, enslaving, and sometimes eating the defeated Arawaks. The Arawaks of San Salvador were actually happy to see the Spanish. Seeing the power of the European muskets and cannons, they hoped to enlist the Spanish as allies in their war against the Caribs.
- Between the Lines of Drift

Perhaps the harshest treatment of captives was meted out in Polynesia. The Tahitians are described as leaving enemy children pinned to their mothers with spears or “pierced through the head and strung on cords.” The Maoris sometimes disabled captive women so that they could not escape, permitting the warriors to rape, kill, and eat them when it was more convenient to do so. Even in societies where captives were taken, once general killing started it could be difficult to stop. For example, in an Asrnat head-hunting raid in New Guinea, anyone interested in saving a woman or child as a captive (something rarely done) experienced considerable difliculty in preventing his overexcited comrades from dispatching his chosen prisoners.
- War before Civilization

Hätte Tacitus zu seiner Zeit gewusst wie die Welt aussieht in diesen unbekannten Gebieten, dann wäre die Stimme der Moral in seiner Geschichte vielleicht nicht der caledonische Häuptling Calgacus geworden, sondern der römische Feldherr Agricola der ihn besiegte.
Es gibt Völker, es gibt Gruppen von Menschen auf der Erde, die sind durch ihre absurde Abergläubigkeit, durch ihre Grausamkeit, durch ihre Ablehung von Kunst, Philosophie und allem was uns in unserer Vorstellung zu einem Menschen macht, nicht wert das Land zu bevölkern welches sie bewohnen, die Ressourcen zu konsumieren die sie fressen, oder die Luft zu atmen. Diese Völker abzuschlachten und niederzuprügeln ist genau das, wozu Krieg gut ist; einen besseren Frieden schaffen.




Siehe auch:
Demografie - Raubmord, Genozid
Kinder als strategisches Ziel Teil 1 und Teil 2
Sex and Violence Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4



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